Janvier / Januar 2016

Il y a un an, je notais ce qui suit.

L’horreur s’est décuplée, l’utilisation de jeunes pour des fins perverses a réussi à s’organiser au cœur de notre pays. Elle continue à ravager les pays mêmes où se cachent ses têtes pensantes. Elle appelle des réponses amplifiées.

Mais en ce qui concerne notre pays et notre société, je n’ai rien à retrancher de ma réaction après les attentats de janvier 2015. L’actualité d’alors n’est pas souvenir, elle demeure un défi.

S’il fallait rajouter un mot, je le ferais sous forme de vœu :

que les forces de l’amitié bien réelles, les énergies de solidarité, dans nos familles, dans nos associations, et personnellement je ne puis penser qu’avec gratitude à l’expérience de vie au sein du Mouvement ATD Quart-Monde, non seulement ne se fatiguent pas, mais se manifestent comme réponse vivante, publique, porteuse de changements de fait.

Le 15 janvier 2015 :

Non pas 17, mais 20 morts

Merci au Père Christian Delorme de rappeler les décennies qui ont conduit en France vers une ségrégation sociale. Elle me semble illustrée par le fait qu’il aura fallu une semaine après les attentats, et les refus de jeunes musulmans de se dire «  Charlie », pour qu’on évoque ce que les militants des associations partagent avec les familles et les jeunes maghrébins en France depuis des décennies.

Dans un quartier du Nord de Marseille, à la fin des années 60, il a fallu que 13 enfants meurent avant que la SONACOTRA et la Ville n’acceptent de protéger la cité Bassens par un mur de la ligne de chemins de fer. Je revois ces « appartements » que l’on ne s’était pas donné la peine de pourvoir d’une porte entre la salle et les WC attenants. Je revois, sur le marché de Mulhouse, dans les années 1970, les patates volantes que, parfois, des jeunes des quartiers renvoyaient aux commerçantes qui les refusaient comme clients. On rigolait. Aujourd’hui, on ne rit plus. Tout le monde a vu les armes employées. Tout le monde voit qui récupère les ressentiments et qui se sert du besoin des jeunes d’appartenir à quelque chose de « grand ».

Depuis longtemps, les chiffres et études confirment les ratés de l’intégration en Europe et corroborent les expériences vécues, décrites, proclamées tant et tant de fois par des acteurs sociaux, médicaux, enseignants et ceux du monde du travail. Les réponses aux émeutes de jeunes quand elles n’étaient pas répressives, sont restées fragmentaires.

La première et deuxième guerre en Irak ont fait le reste pour aliéner les musulmans de la vie en Europe, les télévisions en leur langue leur ont permis d’interpréter le monde depuis leur canapé, évitant des dialogues dans lesquels ils se croyaient battus d’avance. Je crois réentendre ce jeune de 15 ans de Tulle qui, en 2004, au cours d’un chantier d’été international en Allemagne, refusait de fêter le 14 juillet avec nous….

Je salue tous les parents qui malgré tout cela ont réussi à bâtir des familles, tous ceux qui contribuent à faire marcher nos économies, qui créent des associations, qui s’engagent dans leurs quartiers, et nous engagent. Et qui souffrent les premiers de la radicalisation, de l’incivilité, de la délinquance dans les cités. Je salue tous ceux qui, conscients de leurs limites, les rejoignent.

Je tiens à compter 20 morts de la semaine dernière : les trois tueurs aussi étaient des hommes, aussi des français. Cette semaine, semaine d’obsèques, ils ont droit à une pensée, eux aussi.

Et bien sûr je pense aux autres, à Wolinski, devenu symbole tragique pour notre génération de 68ards, qui voulions être si généreux et qui sommes restés si étrangers aux hommes et femmes, jeunes et enfants qui espéraient la fraternité.

Mascha Join-Lambert, ancienne Volontaire ATD Quart-Monde

Vor einem Jahr, nach den Anschlägen im Janaur 2015 auf die Zeitschrift „Charlie Hebdo“, schrieb ich untenstehenden Kommentar.

Seitdem hat sich der Schrecken vervielfacht in Frankreich, die Organisation der Ausnutzung junger Menschen für perverse Zwecke hat sich im Herzen unseres Landes etabliert. Und sie wütet in den Ländern, wo sich ihre Köpfe verbergen. Sie fordert uns neu heraus.

Sofern unsere westlichen Gesellschaften insgesamt herausgefordert sind, beleuchtet allerdings die Katastrophe in den Bergen von Barcelonette die Gewaltorgien neu: diese jungen Menschen, die möglichst viele Andere mit sich in den Tod reißen, als würde ihr persönlicher Aufschrei ihrem Aufmerksamkeitsbedürfnis nicht genügen , als müßten sie in einem Mega-selfie ihren persönlichen Film drehen, zeigen einen Verlust menschlicher Bindungen, eine Leere der Existenz. Was macht eine postmoderne Lebensart mit jungen Menschen, wie wandelt sie Persönlichkeiten? Wer kann eine Antwort auf diese besondere Herausforderung finden? Eine psychische Krankheit anzuführen, reicht nicht aus als Erklärung und antwortet nicht auf die Not.

Aber insofern es um die langzeitlichen Entwicklungen in der französischen Gesellschaft geht, habe ich nichts von den Gedanken vom Januar 2015 wegzunehmen und möchte sie deshalb zu Anfang des neuen Jahres stellen.

Wohl aber brauchen wir Aufmunterung:   sie liegt in den Kräften von Freundschaft, getragen vom Ideal der „einen“ Menschheitsfamilie. Jede und jeder hat diese Kräfte irgendwann einmal gespürt, weiß also, dass sie real existieren und real besser wirken als Waffen. Mag Jede und Jeder von uns diese Kraft dem neuen Jahr zur Verfügung stellen!

 

Am 15. Januar 2015

Nicht 17, sondern 20 Tote !

Seit 40 Jahren sind wir als Mitstreitende bei ATD-Vierte-Welt Zeugen des Alltags von immigrierten Familien und ihren Kindern. Ich erinnere mich an die Mitte der 1970er Jahre:

Im Norden von Marseille, Cité Bassens, wurde auf Druck der Vereine vor Ort eine Schutzmauer neben den Schienen errichtet, nachdem 13 Kinder dort tödlich verunglückt waren.

In diesen Unterkünften hatte man sich nicht die Mühe gemacht, zwischen den Aufenthaltsräumen der Familien und den WC’s Türen einzubauen.

Ich sehe auf dem Markt in Mülhausen, Elsaß, die Kartoffeln fliegen zwischen den Jungs aus einer Cité und den Marktfrauen, die ihnen nichts verkaufen wollten. Es hatte etwas Komisches – heute ist uns das Lachen vergangen. Es fliegen andere Munitionen.

Heute müssen wir ansehen, dass nicht Frankreich und sein reiches Leben die Kinder dieser Jugend von damals in sich aufgenommen hat, sondern dass ihr Bedürfnis nach Geltung und Zugehörigkeit, nach Absolutem und Idealen, von ganz Anderen für sich mißbraucht werden.

Ich sehe in Berlin-Kreuzberg in den 90er Jahren die Feuerwehr helfend einschreiten im Nebenhaus unserer Wohnung, für eine türkische Familie. Unten stehen staunend die Kinder, aber nicht einer der Feuerwehrmänner spricht sie an, keiner ist selber türkischer Abstammung, sie stehen ohne helfen und Einfluß nehmen zu können…Man nennt das die soziale Ohnmacht.

Seit langem zeigen die Zahlen und Studien in Europa die Fehlentwicklungen bei der Integration und belegen die zahllosen Erfahrungen von Erziehenden, Ärzten, Sozialarbeitern, beschrieben, veröffentlicht, von den Rappern besungen, in eine abgeschottete eigene Welt geglitten.

In Frankreich sind wir beim x-ten Plan für die Jugend der Vorstädte, aber die Antworten auf die Aufstände vor zehn Jahren waren repressiv – „Kärcher“! – oder blieben stecken, wenn sie investiv waren. Muß man daran erinnern, dass der erste und der zweite Irak-Krieg den Rest taten, damit eine ganze Bevölkerungsschicht sich von Europa abwandte. “Al Jazira“ öffnete seine Kanäle zur rechten Zeit, so dass man vom Wohnzimmer aus die Welt interpretieren konnte, ohne sich dem Dialog mit den anderen Franzosen auszusetzen, in dem man sich von vornherein geschlagen glaubte. Ich höre noch einen jungen Teilnehmer aus Frankreich an einer internationalen Bausteinzeit in Haus Neudorf in Brandenburg absolut nicht den 14. Juli, französischer Nationalfeiertag, ausrichten wollen. Er war 15 Jahre alt, es war 2004.

Alle die Eltern verdienen unsere Achtung, die es trotzdem schafften, ihre Kinder durch die Schule zu hieven und zu erziehen, auch oft erfolgreich, die unsere Wirtschaft bereichern, sich in Vereinen einbringen und manchmal in die Politik. Und die am meisten zu leiden haben unter den Drogenhändlern in den Vierteln, unter der Radikalisierung ihrer Kinder, unter dem Verlust ihrer Autorität und der Delinquenz. Alle die Bürger, die ihnen dabei zur Seite stehen im Bewußtsein ihrer Grenzen, verdienen unsere Achtung.

Die drei Mörder letzter Woche waren auch Franzosen, auch Kinder der Republik, sie sollen auch unter den Toten gezählt werden und uns ebenso nachdenklich stimmen wie das Schicksal eines Wolinski, Symbol unserer Generation seit 1968, die trotz ihrer Großherzigkeit der Erwartung der Immigranten auf Brüderlichkeit fremd blieb.

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Mascha Join-Lambert, als langjährige Volontärin der Internationalen Bewegung ATD Vierte-Welt